HANAKAM & SCHULLER
HOUSE OF HADRES
bei der
PULKAUTAL BIENNALE 2026

Mit House of Hadres treten Hanakam & Schuller in eine installative Korrespondenz mit dem Lesehaus in Hadres/Untermarkersdorf. Als Sammlung und Archiv von Kunstpublikationen aus mehreren Jahrzehnten ist das Lesehaus ein Speicher intergenerationalen Wissens, ein Ort, an dem kulturelle Erinnerung bewahrt, weitergegeben und fortgeschrieben wird.
Die Interventionen des Kunstduos greifen diese Funktion auf und verstehen sich als ein Ausheben und Sichtbarmachen kollektiver Gedächtnisschichten – sowohl am konkreten Ort im Weinviertel als auch im größeren Zusammenhang europäischer Kultur- und Ideengeschichte.
Bereits im Außenraum setzen Hanakam & Schuller ein performatives Emblem. Eine eigens für den Ort entwickelte HERALDIK erscheint als weithin sichtbare Flagge am Lesehaus. Als protosoziales Medium verweist das Wappen auf Formen kollektiver Identitätsbildung und generationsübergreifender Zugehörigkeit. Die Symbole von Bienenstock, Traube und Lyra verdichten zentrale Bezugspunkte des Projekts: regionale Kulturgeschichte, gemeinschaftliche Wissensproduktion, Landwirtschaft und Narration. Zugleich markieren sie die thematischen Felder, die sich im House of Hadres entfalten.
Im Leseraum selbst wird die Atmosphäre durch Licht und Klang transformiert. In kadmiumrotes Licht getaucht, begegnen Besucher*innen der Stimme eines queeren BARDEN, der mittels künstlicher Intelligenz neu generierte Verse der Ossian-Gedichte vorträgt. Bereits im 18. Jahrhundert waren die von James Macpherson veröffentlichten Ossian-Texte von Fragen nach Autorschaft und der Authentizität kultureller Überlieferung begleitet; heute werden sie zum Ausgangspunkt einer technologisch generierten Behauptung von Poesie. Die romantische Naturmystik der Originaltexte wandelt sich zu einer solastalgischen Klage über ökologische Verluste, Landschaftswandel und das Verschwinden vertrauter Umwelten.
In den Kellergewölben zeigen Hanakam & Schuller ihren aktuellen Zweikanalfilm ESCURSIONI (Talking of Michelangelo). Auf einem Kanal folgen Betrachter*innen dem improvisierten Logbuch eines Kapitäns, der durch eine digital imaginierte Tiefsee navigiert. Auf dem anderen treffen KI-generierte Kreaturen, treibender Plastikmüll und algorithmische Strömungen aufeinander. Der Ozean erscheint dabei als hybrider Erinnerungsraum, in dem ökologische Krisen, digitale Bildwelten und menschliche Erzählungen miteinander verschränkt werden. Zwischen Archiv und Spekulation, Dokument und Fiktion entsteht ein vielschichtiges Panorama der Gegenwart.
Markus Hanakam und Roswitha Schuller sind ein in Wien lebendes Kunstduo. Seit 2004 arbeiten sie gemeinsam künstlerisch und kuratorisch im internationalen Kontext. Ihre Werke – oft wandelbare Artefakte – verbinden Video, interaktive Medien, Zeichnung und angewandte Kunst. Sie reflektieren künstlerische Strategien und schaffen eigene Ordnungssysteme. Ihre Werke wurden unter anderem im Haus der Kulturen der Welt in Berlin, im Eyebeam Center for Art + Technology in New York, im Palais de Tokyo in Paris, im Garage Museum of Contemporary Culture in Moskau, im Wiener MAK, im MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles sowie im National Art Center in Tokio gezeigt. Teilnahme an der 4th Moscow Biennale of Contemporary Art 2011 und an der 5th International Sinop Biennial 2014 und der Biennale für Freiburg (2021). Aktuelle Soloshows umfassen das MAK Center Los Angeles (US, 2022), CCA Kunsthalle, Andratx (ES, 2023), Kunstforum Wien (2025) und MACAAL Marrakech (MAR, 2025).
Hanakam und Schuller nahmen an zahlreichen internationalen Artist in Residence Programmen teil, unter anderem mit der Galerie Krinzinger, die sie seit 2012 vertritt. Die Künstler leben und arbeiten in Wien.
Eintritt frei
Öffnungszeiten 11. bis 19. Juli 2026
täglich von 13 bis 18 Uhr
https://www.hanakam-schuller.com/
https://www.instagram.com/hanakamschuller/
https://www.les-nouveaux-riches.com/interview-hanakam-schuller/


