Magazine und Zeitungen

A fine collection of contemporary art magazines and newspapers from the 1950s onwards

 

Aktuell / Current

7. November 2021 um 15 Uhr

JULIANE WERNER UND ROBERT PROSSER

Krinzinger Lesehaus - Juliane Werner und Robert Prosser
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Die Studie Existentialismus in Österreich. Kultureller Transfer und literarische Resonanz porträtiert, wie das Denken, Schreiben und Leben des Pariser Kreises um Jean-Paul Sartre nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich aufgenommen wurde. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Maßnahmen alliierter Kulturpolitik wird die Berichterstattung zum Existentialismus in Zeitungen und Zeitschriften beleuchtet, die Präsenz existentialistischer Bühnenwerke an österreichischen Theatern und der Umgang mit der Sartreschen Freiheitsphilosophie an den Universitäten. Den Menschen in die volle Verantwortung für seine eigene Existenz setzend und ihn zum steten Neuentwurf seiner selbst aufrufend, findet der Existentialismus großen Anklang als Lebensstil unter Jugendlichen und in Künstlerkreisen, stößt jedoch auf starke Ablehnung von kommunistischer Seite, die die existentialistische Lehre als zu abstrakt und idealistisch empfindet, ebenso von katholischer Seite, die dem jede festgelegte Essenz negierenden Menschenbild Nihilismus vorwirft. Vor dem Hintergrund dieser komplexen Aufnahmesituation überblickt die Studie schließlich, wie existentialistische Themen, Motive und Theoreme in Werke mehrerer Schriftstellergenerationen einfließen und den Existentialismus auf diese Weise zu einem bis in die Gegenwart reichenden Impuls für das literarische und philosophische Leben Österreichs werden lassen.

(Juliane Werner, 2021)

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Juliane Werner  ©. Juliane Werner

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Robert Prosser schlägt die Brücke von der Rezitation zum Roman und bietet Einblicke in die Recherchen, die seinen Büchern PHANTOME (Ullstein 2017) und GEMMA HABIBI (Ullstein 2019) zu Grunde liegen, und etwa nach Bosnien oder in die heimische Kampfsportszene geführt haben. Die frei vorgetragene, rhythmisierte Erzählung wird an diesem Nachmittag im Mittelpunkt stehen und sich besonders auf GEMMA HABIBI konzentrieren. Der Roman, den Kritiker als „große Erzählkunst“ ….. „mit langem Nachhall“, die „tanzt wie ein Schmetterling und sticht wie eine Biene“ bezeichneten, fängt einige Tage im Leben von Lorenz ein, einem jungen Mann, der für die Staatsmeisterschaft im Boxen trainiert. Der Boxclub wird dabei zu einem Abbild für die Herausforderungen, mit denen sich die Gesellschaft im Herbst 2015, am Höhepunkt der sogenannten "Flüchtlingskrise", konfrontiert sah. Ähnlich einem Kampf entsteht die Rezitation aus dem Moment, sie ist fluide, rasant und energiegeladen. Eine intensive Aufführung über Freundschaft, Engagement und Obsession - und über die Ausnahmeerfahrung, die nur im Ring möglich wird. (Robert Prosser, 2021)

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Robert Prosser  ©. Gerald von Foris

10. Oktober 2021 um 15 Uhr

Dr. August Ruhs im Gespräch mit Dr. Elisabeth von Samsonow

Dr. August Ruhs vor einem Werk von Jonathan Meese

Dr. August Ruhs vor einem Werk von Jonathan Meese, 2020, ©.Mag. Matthias Bechtle / Galerie Krinzinger

Dr. Elisabeth von Samsonow

Dr. Elisabeth von Samsonow  ©. Tamara Stajner

Der österreichische Facharzt für Psychiatrie und Neurologie und Psychoanalytiker Dr. August Ruhs sprach gemeinsam mit der Künstlerin und Philosophin Dr. Elisabeth von Samsonow am Sonntag, den 10. Oktober 2021 um 15 Uhr im Krinzinger Lesehaus in Untermarkersdorf.

Um das Unheimliche zu diskutieren ist das Weinviertel mit seiner ausgedehnten Unterwelt der richtige Ort. Die weitläufigen Keller laden ein und schrecken ab, die langen Röhren unter der Erde signalisieren zugleich Geborgenheit und Horror. Ihre Aneinanderreihung erinnert an die Nekropolen des antiken Italien und Griechenlands. Die heute leeren und nutzlos gewordenen Riesenkörper, die weder Wohnung noch reine Natur sind, bilden Gegenstände für eine Meditation, deren Objekt ambivalent ist, genauso mit dem Leben wie mit dem Tod verbunden. Elisabeth von Samsonow nimmt sich das Thema des Unheimlichen vor dem Hintergrund dieser Weinviertler Besonderheit vor, wobei sie die Aufmerksamkeit auf die plastische Form unheimlicher Körper richtet. Eine Anregung dazu bildet neben Sigmund Freuds einschlägigem Text das legendäre Ausstellungsprojekt „The Uncanny“ von Mike Kelley in der Tate Liverpool aus dem Jahr 2004.

(Elisabeth von Samsonow, 2021)

Unheimliches erklären, Unheimliches schaffen

Der Begriff des Unheimlichen, der aufgrund seiner konträrlogischen Verdichtung nur bedingt in eine andere Sprache übersetzbar ist, umfasst Phänomene, die Freud 1919 in einem gleichnamigen Essay einer eingehenden Analyse unterzogen hat. Der Angst verwandt, dem Beunruhigenden und Bedrohlichen aber näherstehend, vereinigen sich im Unheimlichen mit seinem Gehalt an unbewussten Erfahrungen und deren Wiederkehr eine Reihe von Gegensätzlichkeiten, die das Vertraute und das Fremde, den Zweifel und die Gewissheit, das Lebendige und das Tote als verstörende Einheiten mit dem Erlebnischarakter von Ahnung, Vorzeichen und magischem Denken hervortreten lassen. 

Mannigfaltigen und spontanen Alltagserfahrungen steht ein fiktives Unheimliches gegenüber, welches nicht nur einen umschriebenen Gegenstandsbereich literarischen und künstlerischen Schaffens darstellt, sondern vielmehr als Keim der Literatur und der Kunst immer schon innewohnt.

Gerade in einer Zeit, die unser gewohntes Denken und unsere bislang haltgebenden kategorialen Systeme unter Schaffung neuer Mentalitäten, Subjektivitäten, und Identtäten nachdrücklich in Frage stellt, bewegt sich auch die Kunst bevorzugt in Zwischenbereichen und stellt uns vor Erfahrungen, denen ein Unheimlichkeitscharakter nicht abzusprechen ist. In enger Verschränkung mit Wissenschaft und Technologie, sei es als Cyber-Art, sei es in der Herstellung von Doppelgängerapparaturen, Homunculi und künstlichen Intelligenzen, lädt sie uns zu transhumanen Grenzgängen ein, welche nicht ohne Beeinträchtigung unserer existenzsichernden Selbstgewissheit und unseres menschlichen Alleinstellungsmerkmals einhergehen. Beunruhigende, über archaische und utopische Phantasmen hinausreichende Wirklichkeiten, deren Faszination wir uns gleichwohl nicht ganz entziehen können.

(August Ruhs, 2021)

Dr. Elisabeth von Samsonow und Dr. August Ruhs im Gespräch
Dr. Elisabeth von Samsonow und Dr. August Ruhs im Gespräch

17. Juli 2021 ab 13 Uhr

Leeb, Pruscha, Pálffy, Mönkemöller & Kreppel, Steiner, Pfaffeneder

Krinzinger Lesehaus präsentierte in Kooperation mit ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich,- Referate und Diskussionen über Praktiken des Um- und Weiterbauens bestehender Bausubstanz im ländlichen Raum. Das von Architekt Carl Pruscha zu einer Bibliothek „Zeitgenössischer Kunstmagazine“ umgewandelte Weinviertler Presshaus,- bot sich als idealer Ort an.

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Buchtipp:
Architektur in Niederösterreich 2010–2020, Hrsg. ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich, Autorinnen: Eva Guttmann, Gabriele Kaiser, Franziska Leeb, Verlag: Park Books, ISBN 978-3-03860-227-9

Wir nahmen das Erscheinen des von ORTE herausgegebenen Buchs „Architektur in Niederösterreich 2010-2020“ zum Anlass, in Niederösterreich tätige Architekt*innen einzuladen, ihre Arbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Die Architekturpublizistin Franziska Leeb, eine der Autorinnen und gebürtige Weinviertlerin, hat durch den Nachmittag geführt. 

Architektur ist immer wieder ein Thema im Lesehaus nach ORIS mit Vera Grimmer, Andrija Rusan und Margit Ulama, Lehmarchitektur mit Peter Hauenschild und Andi Breuss, sowie der Diskussion zwischen Carl Pruscha und Verena Formanek.

Das Lesehaus 2021

Liebe Lesehaus Freund*innen,


Die aktuell schwierige Situation erfordert dieses Jahr eine sorgfältige Planung der Veranstaltungen. Wir freuen uns darauf euch bald wieder im Lesehaus begrüßen zu dürfen!

Der Ausbau des Weinkellers im Krinzinger Lesehaus ist ein positives Signal für zukünfitge Kulturveranstaltungen an diesem idyllischen und inspirierenden Ort. Der Weinkeller bietet Platz für künstlerische Interventionen und ist nun auch öffentlich zugänglich.

Das Lesehaus erfreut sich zuletzt immer größerer Beliebtheit, darunter sind auch zahlreiche Kulturschaffende, Kurator*innen und Direktor*innen als Gäste begrüßt worden. Die Bibliothek für Zeitgenössische Kunstmagazine wird also bald wieder einen Ort zur entspannten und konzentrieten Auseinandersetzung mit angewandter, darstellender und Schriftkunst sein können.


Alles Liebe,
wünscht das Team des Krinzinger Lesehauses.

Schöne Feiertage &

ein gutes neues Jahr!

Liebe Lesehaus Freund*innen,


Wir danken Euch von ganzem Herzen, dass Ihr uns auch in dieser sehr schwierigen Saison treu geblieben seid! Leider konnten wir aufgrund der Pandemie im Gegensatz zu den vergangenen Jahren nur wenige Veranstaltungen verwirklichen. Wir hoffen, dass unsere neue Website Euch mit Berichten und Videos ein wenig bei Laune gehalten hat.


Persönlich möchte ich mich nun sehr herzlich von allen Gästen und Kooperationspartner*innen verabschieden, da ich im kommenden Jahr nicht mehr als Praktikantin im Krinzinger Lesehaus arbeiten werde. Es hat mir viel bedeutet und großen Spaß gemacht, Teil dieses wundervollen Projektes sein zu dürfen, das Räume schafft für die intensive Auseinandersetzung mit Kunst und Literatur!

Alles Liebe, schöne Feiertage und ein gutes, gesundes neues Jahr
wünscht Luana Marina Schäfer für das Team des Krinzinger Lesehauses.

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DAS KRINZINGER LESEHAUS

Ein Inspirationsort im Weinviertel

Das Krinzinger Lesehaus im Weinviertel ist ein von der Galerie Krinzinger (Wien) bespielter Ort, in dem Lesungen, Diskussionen und Ausstellungen stattfinden. Dazu werden bedeutende Kunstschaffende, Publizisten, Museumsfachleute, Literaten, Wissenschaftler und Publikum eingeladen, sich im kleinen aber feinen Rahmen des ehemaligen Weinhauses, intensiv mit den Themen Kunst und Wissenschaft zu beschäftigen.

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Die Idee zum Umbau des kleinen Presshauses in der Kellergasse, das zum Lesehaus wurde, ist Dr. Ursula Krinzinger im Gespräch mit Elisabeth Samsonow gekommen. Von Samsonow lebt seit 20 Jahren in Hadres und Untermarkersdorf. Sie konnte die niederösterreichischen Ortschaften langsam in eine Art Kulturlandschaft verwandeln.


Dr. Krinzinger ist seit den 1970er Jahren als Galeristin aktiv. Zu dieser Zeit waren Kunstmagazine die einzige Informationsquelle zu internationalem Kunstmarkt und Kultur-Geschehen.


Zeitschriften waren rar. Sie wurden zunächst gesammelt und gelagert. Der Bestand wird nun sukzessive in ein offenes Haus überführt, systematisch erfasst und zugänglich gemacht. Die Bibliothek bietet hoch interessante Einblicke in aktuelle und historische Magazine.


Wir freuen uns über den Besuch von Museen-Teams, Galerien, Künstlern Kunstwissenschaftlern und natürlich Kunstbegeisterten, die hier der Kunstgeschichte von sechs Jahrzehnten mit Material aus erster Hand nachgehen können.


Das Krinzinger Lesehaus ist eine Präsenzbibliothek. Zeitschriften werden nicht entliehen.


Ein bis zwei Mal im Monat werden Künstler, Kuratoren und Schriftsteller zu Lesungen, Performances, Vorträgen und Diskussionen eingeladen.

DIE BIBLIOTHEK IM KRINZINGER LESEHAUS

In der Bibliothekt des Krinzinger Lesehauses befinden sich ca. 5000 unterschiedliche Magazine in 16 verschiedenen Sprachen.

Zu den umfangreichsten unserer ca. 550 Serien gehören Artforum, Art, Art in America, Flashart und Kunstforum.

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